Kitekite Falls & Sonnenuntergang am Baylys Beach

Heute heißt es Abschied nehmen vom Campingplatz in Avondale und der eigentliche Roadtrip kann langsam aber sicher beginnen. Zeitig stehe ich auf, obwohl ich eigentlich gerne noch ein wenig unter der warmen Decke geblieben wäre. Aber der Weg Richtung Norden ist weit, und ich will heute so weit wie möglich vorankommen, um am Montagabend am nördlichsten Punkt der Nordinsel, dem Cape Reinga, zu sein.

Aufbruch zur Westküste

So fülle ich noch einmal mein Wasserreservoir auf, stecke alle zu ladenden Akkus in den Spannungsumwandler und verabschiede mich in Avondale. Bevor ich den Weg Richtung Sonne antrete, ist für den Vormittag aber noch eine Station westlich von Auckland geplant. In der Bucht von Piha an der Westküste des Landes sind die Kitekite-Wasserfälle ein bekanntes Naturschauspiel, das zahlreiche Touristen anlockt und gleichzeitig auch als Naherholungsgebiet von Auckland gilt. Die Straße nach Piha verläuft zunächst durch die Vororte von Auckland, führt dann aber durch immer ländlicheres Gebiet mit zahlreichen Kurven und Kehren.

Die Bucht von Piha

Bei der Einfahrt in die Bucht bietet sich mir ein grandioses Panorama auf die umliegenden Wälder, Klippen und die Tasmansee. Der Parkplatz am Eingang des Kitekite Falls Track ist schnell gefunden und glücklicherweise ergattere ich noch einen letzten Platz im Schatten. Wie schon in Auckland finden sich auch hier überall Hinweisschilder, die davor warnen, Wertsachen im Auto zurückzulassen. Auch wenn Neuseeland im Allgemeinen als sicheres Reiseland gilt, sollte man nicht leichtsinnig werden. Autoeinbrüche und Diebstähle sind gerade an den bekannten Touristenparkplätzen an der Tagesordnung. So nehme ich wie schon an den Vortagen wieder alles Wertvolle im Rucksack mit. Auch wenn das Tragen von Kameraausrüstung, Stativ und Laptop nicht gerade angenehm ist.

Blick auf die Bucht von Piha

Durch Regenwälder zu den Kitekite Falls

Der Weg zu den Wasserfällen ist allerdings konditionell auch nicht besonders fordernd, dafür verläuft er durch einen Wald voller exotischer Pflanzen. Palmen und riesige Baumfarne finden sich ebenfalls am Wegrand. Um die Kauri-Wälder zu schützen, müssen am Eingang des Wanderwegs die Schuhe mit einer Reinigungsflüssigkeit geputzt werden. Habe ich so auch noch nicht erlebt!

Im dichten Regenwald auf dem Weg zu den Kitekite Falls

Nach einer halben Stunde erreiche ich schließlich die imposanten Wasserfälle, die hier rund 50 Meter in die Tiefe donnern. Ein idealer Ort, um zum ersten Mal etwas aufwendigere Fotos zu machen, denke ich, und montiere einen Graufilter auf meine Linse. Doch genau in diesem Moment trifft eine Reisegruppe ein, die vor den Wasserfällen schwimmen geht. Das macht meine Ambitionen einer Naturaufnahme gleich wieder zunichte. Geduldig warte ich, bis sich alle am kühlen Nass erfreut haben, als sich plötzlich neben den Wasserfällen jede Menge Kletterer abseilen. Ärgerlich! Nachdem diese dann auch endlich fertig sind, kann ich endlich anfangen. Allerdings laufen mir dennoch ständig irgendwelche Leute vor die Kamera, sodass ich am Ende mit nicht ganz zufriedenstellenden Ergebnissen wieder den Rückzug antrete. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz kommen mir unzählige Touristen entgegen. Offenbar lockt das sonntägliche gute Wetter auch die Kiwis für einen Trip ins Grüne.

Kitekite Falls

Aus Piha geht es wieder zurück Richtung Auckland. Schon in einem Vorort biege ich aber auf den Northwest-Motorway ein und springe schließlich in Helensville flink in einem Supermarkt. Dort erledige ich die Einkäufe für die nächsten Tage. Dass die Supermärkte sonntags alle ganztags geöffnet sind, scheint in Neuseeland das Selbstverständlichste auf der Welt zu sein. Kurze Zeit später lege ich dann an einem Aussichtspunkt an der Straße eine Mittagsrast ein.

Neuseeländische Landschaft auf der Nordinsel

Immer in Richtung Norden

Als Unterkunft finde ich auf meiner praktischen Camping-App einen Platz hinter Dargaville, der an der Westküste direkt am Strand liegt. Der Weg bis dahin ist aber noch weit. So beschließe ich, erst einmal zu schauen, wie ich vorankomme und dann gegebenenfalls auch schon früher auf einen anderen Platz zu fahren.

Letztlich komme ich aber doch bis Dargaville und halte dort zunächst an einem in der Stadt gelegenen Campingareal. Dort ist allerdings niemand an der Rezeption erreichbar. So fahre ich schlussendlich doch noch ein Stück weiter bis zum Baylys Beach, wo ich einen Stellplatz für eine Nacht buchen kann. Die Chefin erzählt mir, dass es bis zum Strand nur wenige Minuten zu Fuß seien, und dass die Aussicht von den dortigen Klippen wunderschön sei. So entschließe ich mich dazu, schnell etwas zu Abend zu essen, bevor ich gesättigt in Richtung Strand aufbreche. Leider habe ich mehr und mehr Probleme mit einer Blase am Fuß, die ich mir gestern in Auckland gelaufen habe. Schon gestern habe ich mir ein paar Socken damit vollgeblutet und auch heute sieht es trotz Blasenpflaster nicht viel besser aus.

Sonnenuntergang am Baylys Beach

Die Strapazen werden dann aber mit einem grandiosen Sonnenuntergang belohnt. Rund 60 Meter über dem Strand genieße ich den Ausblick auf die schroffen Klippen um mich herum und auf die zahlreichen Leute, die weiter unten am Strand dem Sonnenuntergang beiwohnen. Ein schönes Erlebnis, auch wenn ich mir zum Fotografieren noch ein paar Wolken gewünscht hätte.

Sonnenuntergang von den Klippen am Baylys Beach

Sonnenuntergang am Baylys Beach

Der klare Himmel wird mir aber kurze Zeit später noch zum Geschenk, als ich bei Dunkelheit zu den Duschen laufe. Über mir leuchtet die Milchstraße, und das, obwohl hier ringsherum jede Menge Straßenlaternen brennen und auch der Mond noch nicht untergegangen ist. Aufnahmen von der Milchstraße sind einer der Hauptgründe meiner Reise nach Neuseeland, aber geplant habe ich sie eigentlich mehrheitlich auf der Südinsel im Gebirge. Doch auch hier im Norden ist der Anblick atemberaubend. So mache ich spontan auf dem Campingplatz noch ein paar Aufnahmen in Richtung des galaktischen Zentrums.

Selbstporträt mit Milchstraße am Baylys Beach  

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