Den folgenden Tag beginnen wir nach einem eher durchwachsenen Frühstücksbuffet in unserer Unterkunft in Stockholm mit einer ersten Bootstour durch die Gewässer, die die Stadt durchziehen. Zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten bieten sich uns, die Stadt vom Wasser aus zu erkunden. So wissen wir zunächst nicht recht, welche der angebotenen Touren wir denn nun buchen sollen.
Royal Canal Tour durch Stockholm
Nach einem Blick auf die Abfahrtszeiten und Dauer der Rundfahrten entscheiden wir uns schließlich für die sogenannte Royal Canal Tour. Diese führt uns in einer knappen Stunde von der Anlegestelle am Strömkaien einmal rund um die Insel Djurgården. Unterwegs bietet sich rechts und links nicht nur ein Blick auf die zahlreichen Museen der Stadt, die wir am wettermäßig tendenziell schlechteren Samstag erkunden wollen, sondern auch auf viel Grün. Eine Tatsache, die uns schon am Vortag aufgefallen ist. In Stockholm findet sich trotz der dichten Besiedelung eine unerwartet große Anzahl an Grünflächen und Parkanlagen.
Der Hauptgrund, warum wir uns für eine der kürzeren Rundfahrten entschlossen haben, ist eine Führung durch die Altstadt. Dieser wollen wir nach einer kurzen Mittagspause in der Nähe des Strömkaien beiwohnen. Auch diese Führung ist wie all unsere restlichen Aktivitäten in unseren Stockholm-Pässen inkludiert.
Vorbei an einem Musikfestival mit Musikern aus Thailand erreichen wir gestärkt nach dem Mittagessen wieder den Gustav Adolf Torg. Hier beginnt die Führung durch die Altstadt. Neben uns haben sich für die englische Führung rund ein Dutzend anderer Personen eingefunden. Die russische Fremdenführerin, die gleichzeitig startet, wird dagegen nur von zwei Personen begleitet.
Führung durch Gamla Stan
In den folgenden eineinhalb Stunden erfahren wir recht interessante Dinge über die Insel im Zentrum Stockholms. Die Altstadt behebergt unter anderem auch den königlichen Amtssitz. Gamla Stan ist über die Jahrhunderte kontinuierlich von Menschenhand vergrößert worden. Auf den Abfallbergen am Ufer wurden über die Zeit immer wieder neue Gebäude errichtet. Mit der unsäglichen Nebenwirkung, dass die Häuser aufgrund des instabilen Untergrunds inzwischen immer weiter absinken.
Nicht fehlen dürfen natürlich auch unzählige Sagen. Angefangen bei einer verfluchten „Höllen“-Gasse bis hin zu einem Gebäude auf dem sogenannten großen Platz im Zentrum der Altstadt, das mit 92 Steinen verziert ist. Wer alle Steine versucht zu zählen, wird mit einem Fluch belegt. Etwas dubios erscheint aber vor allem die Tatsache, dass das höchste Gebäude der Altstadt nicht etwa der Königspalast oder eine andere typisch schwedische Einrichtung ist. Nein, es ist eine deutsche Kirche mitten im Zentrum der Altstadt.
Ausblick vom Fotografie-Museum
Vorbei an der mit 90 cm Breite schmalsten Gasse in Stockholm endet unsere Führung und wir machen uns wieder auf eigene Faust auf Erkundungstour, diesmal im südlichen Bereich der Altstadt. Da ich im Süden im Vorfeld der Reise einen guten Aussichtspunkt mit Blick auf die Altstadt und die Insel Djurgården ausfindig gemacht habe, marschieren wir nach langwieriger Überzeugungsarbeit in Richtung des Fotografie-Museums. In dessen Nähe bietet sich uns tatsächlich ein wunderbarer Blick auf Stockholm.
Eigentlich planen wir einen Besuch des erwähnten Museums erst für den morgigen Tag. Da wir aber nun ohnehin schon vor Ort sind und ein Besuch vor dem Abendessen zeitlich recht gut passt, steigen wir die zahlreichen Treppenstufen von dem Aussichtspunkt auf Meeresniveau herab.
Das Museum bietet in diesem Sommer sechs verschiedene Ausstellungen mit einer unterschiedlichen Auswahl an Motiven an. So wirklich begeistern kann mich aber nur eine von ihnen. Die Panoramaserie „Inherit the Dust“ von Nick Brandt. Die Aufnahmen dokumentieren auf eine eigentümliche Art und Weise den menschlichen Einfluss auf die Natur und deren Zerstörung in Ostafrika. Der Rest ist mir dann aber doch zu abstrakt. Ich sehe und fotografiere die Welt eben genau so, wie sie ist. Mit allzu offensichtlich gestellten Fotografien oder halb abgeschnittenen Nasen kann ich einfach wenig anfangen :-) .
Rentier und Elchburger
Für unser Abendessen wählen wir heute ein typisch schwedisches Restaurant. Wenn man schon mal hier ist, muss man ja doch einmal die landestypischen Spezialitäten ausprobieren. Während sich meine Schwestern für ein Gericht mit Rentierfleisch entscheiden, setze ich auf einen Elchburger. Dieser schmeckt hervorragend. Und mir auch deutlich besser als das Rentier.
Pünktlich zum Sonnenuntergang verlassen wir dann das Lokal „Ardbeg“ wieder und brechen zu einer abendlichen Erkundungstour auf. Noch einmal soll es heute auf das Wasser gehen, und zwar zu einer der zahlreichen kleinen Inseln in der Ostsee unweit der Stockholmer Innenstadt. Die Fähre nach Fjäderholmarna ist eine der wenigen, die auch noch am späteren Abend verkehrt.
Am Nybrokajen möchten wir eigentlich unsere Tickets für die Fähre erwerben. Doch zu unserem Erstaunen ist der Schalter bereits seit Stunden geschlossen. Aber kein Grund zur Aufregung, denn außer uns haben noch ein paar weitere Personen das gleiche Problem und letztlich wird es wohl ausreichen, wenn wir unseren Stockholm-Pass einfach vorzeigen. Bezahlen müssen wir für die Fahrt ja damit ohnehin nichts extra. Genau so ist es dann auch. So können wir problemlos die Fähre um 20.30 Uhr besteigen und schon kurze Zeit darauf in Richtung Fjäderholmarna ablegen.
Abendspaziergang auf Fjäderholmarna
Auch wenn meine Schwestern eigentlich gar nicht aussteigen wollen, sondern gleich wieder den Rückweg antreten möchten, kann ich sie dann letztlich doch davon überzeugen, die Insel noch ein wenig zu erkunden und erst eine Stunde später die Fähre zurück in die Innenstadt zu nehmen. Der Rundgang ist in der Tat sehr lohnend, wenngleich die Insel zu dieser späten Stunde wie ausgestorben ist. Irgendwie kann man sich nicht recht vorstellen, dass die unzähligen Restaurants und Kneipen tatsächlich tagsüber alle voll sind.
Auf dem Rückweg vom Nybrokajen in Richtung Hauptbahnhof lege ich wie am Vorabend noch ein paar Fotostopps ein. Meine Schwestern laufen währenddessen schon einmal vor und warten am Bahnhof auf mich. Wie schon gestern ergeben sich noch einmal zahlreiche schöne Perspektiven, sodass wir erst gegen Mitternacht wieder mit dem Zug zurück ins Hotel fahren und todmüde in die Federn fallen.
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Felix ist Fotograf und Autor, spezialisiert auf Landschafts- und Reisefotografie und zu Hause im Saarland und der ganzen Welt. Wenn er nicht gerade in der Natur oder den Bergen unterwegs ist, schreibt er hier über seine Reisen, die Fotografie oder über sein liebstes Fortbewegungsmittel, die Seilbahn.